Luisa Ringel ist Literaturkuratorin und war als Stipendiatin für die Literraturresidenz Seyir Quartier sieben Wochen im Atelier Galata der Stadt Köln in Istanbul zu Gast.
Während ihres siebenwöchigen Aufenthalts als Stipendiatin des „Seyir Quartier“ Residenzprogramms (Episode 2) durfte sie dank Sedef İlgiç (Istanbulberlin) eine Vielzahl von Akteur:innen der Istanbuler Literaturszene kennenlernen – von Verleger:innen über Vertreter:innen von Kulturinstitutionen bis hin zu Autor:innen – sowie eine eigene Veranstaltungsreihe umsetzen. Unter dem Titel „Stories Of Frailty and Strength: A Reparative Dialogue“ hat sie in Form von unterschiedlichen Veranstaltungsformaten das Potenzial des Reparative Reading Ansatzes der Literaturwissenschaftlerin Eve Kosofsky Sedgwick im Kontext interkultureller Begegnung erforscht.
Als Auftakt der Reihe fand ein gemeinsames Podiumsgespräch zwischen der Autorin Zelal Dicle Baz (Stipendiatin aus Episode 1) und ihr statt – Sedef İlgiç hat das Gespräch konsekutiv ins Türkische übersetzt. Anhand der Kurzgeschichte „The Family Tree“ von Zelal Dicle Baz haben sie diskutiert, wie Reparative Reading dabei helfen kann, einen traumasensiblen Umgang mit literarischen Texten zu entwickeln, der Formen der Selbstfürsorge und Selbstwirksamkeit zentriert.



Im Anschluss daran folgte ein zweiteiliger Workshop, der Reparative Reading als kulturelle Praxis im Kontext der deutsch-türkischen Gastarbeitergeschichte untersucht. Dafür hat Ringel mit den Teilnehmenden Texte aus zwei Generationen post-migrantischer Literatur betrachtet – Emine Sevgi Özdamars „Das Leben ist eine Karawanserei“ und Necati Öziris „Vatermal“ – und erprobt, wie eine reparative Haltung dazu in die Praxis übersetzt werden kann, indem eigene Texte, Collagen und Zines als künstlerischer Ausdruck genutzt werden.



Zusätzlich zu ihren eigenen Veranstaltungen durfte sie auf Einladung von Şebnem Sunar einen Gastvortrag zum Thema Reparative Reading an der Fakultät für Literaturwissenschaft und Deutsche Sprache der İstanbul Üniversitesi halten.
Luisa Ringel über ihren Aufenthalt:
Die positive Resonanz bei den Veranstaltungen, die Zusammenarbeit und der Austausch mit den Autorinnen Zelal Dicle Baz (Episode 1) und Elif Nur Aybaş (Episode 3) sowie die Möglichkeit, kollektiv interkulturelle Praktiken erforschen zu können, haben mir einmal mehr die Wichtigkeit und – viel dringlicher angesichts der (kultur-)politischen Entwicklungen – die Notwendigkeit interdisziplinär angelegter Austauschprogramme wie „Seyir Quartier“ vor Augen geführt, um sich über nationale Grenzen hinaus nachhaltig verknüpfen zu können
Zum Abschluss ihrer Residenzzeit kamen alle Menschen, denen sie in der Zeit in Istanbul begegnet war, ein letztes Mal im Café Urban zusammen. Es wurde sich über die vergangenen Veranstaltungen, die Ergebnisse und Erlebnisse der letzten zwei Monate ausgetausch. Mit dabei waren auch wieder Zelal (Episode 1) und Elif (Episode 3).




Wir freuen uns sehr, dass mit Luisa Ringels Rückkehr nach Köln eine weitere Episode von Seyir Quartier mit vielen Begegnungen endet, an die in Köln und auch in Istanbul weiter angeknüpft werden kann.
Im März heißen wir Elif Nur Aybas aus Istanbul im Quartier am Hafen willkommen! Die dritte, und damit letzte Stipendiatin der ersten Staffel Seyir Quartier. Meldet euch für unseren Newsletter an um mehr darüber zu erfahren, wie es weitergeht.
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