KÜNSTLERISCHES VORHABEN
Von Mai bis Juni 2024 war der südafrikanische Künstler Driaan Claassen im Quartier am Hafen zu Gast. Er war Teil des Austauschs, den das Quartier mit der THK Gallery in Kapstadt pflegt.
Aus seiner Zeit in Köln ist das Projekt Digital Nomad Revolution hervorgegangen. In einer Synergie von traditionellem Handwerk und digitaler Innovation nutzt Driaan Claassen sein handwerkliches Wissen – etwa in Bronzeguss, Holzschnitzerei, Keramik, Kupferkristallzucht, Drahtweberei und Beton, um komplexe Werke digital zu entwerfen und zu visualisieren, die dann von Experten auf den jeweiligen Gebieten hergestellt werden können. Mit dieser Methode befreit er sich von physischen Zwängen der Werkzeuge und Materialien. Diese neu gewonnene Mobilität ermöglicht, verschiedene kreative Prozesse und Produktionstechniken auf der ganzen Welt zu erforschen und zu erproben.
Den Bildern, die Driaan Claassen zum Abschluss seiner Residenz entworfen hat, entsprechen keine physisch greifbaren Gegenstände. Jedes Bild wurde digital erstellt, entweder mithilfe einer KI oder durch aufwändige 3D-Renderings. Im Rahmen dieses Digital-First-Ansatzes können experimentelle Entwürfe – für Schmuck, monumentale Skulpturen oder neue Materialien – ohne finanziellen Mehraufwand entstehen. Die Möglichkeit, Prototypen zu erstellen und zu visualisieren, ohne sie zu produzieren, schont nicht nur Ressourcen, sondern fördert auch kreative Freiheit.
Dieses Projekt zeigt, dass Künstler mit den richtigen Werkzeugen und digitalen Kenntnissen geografische und finanzielle Grenzen überwinden und mit einem globalen Netzwerk von Produzierenden zusammenarbeiten können. Es ist ein Beweis für das Potenzial digitaler Werkzeuge, den kreativen Prozess zu revolutionieren und ihn integrativer und umfassender zu gestalten.
VITA
Driaan Claassen (*1991) aus Johannesburg, Südafrika, ist bekannt für seine tiefgehende Erforschung der menschlichen Psyche durch komplexe und zum Nachdenken anregende Skulpturen. Seine künstlerische Laufbahn begann mit einer Faszination für 3D-Animation, die ihn schließlich zu einer Ausbildung bei dem renommierten Künstler Otto du Plessis in der Bronze Age Foundry führte. Diese Erfahrung prägte Claassens einzigartigen Ansatz nachhaltig, indem sie traditionelles Handwerk mit moderner Technologie verbindet und Werke hervorbringt, die sowohl intellektuell ansprechend als auch visuell eindrucksvoll sind.
Claassen arbeitet mit einer Vielzahl unterschiedlicher Materialien, darunter Holz, Draht und Bronze. Seine Skulpturen vereinen Materialinnovation mit psychologischer Tiefe auf nahtlose Weise. Sein Werk zeugt von einer intensiven Auseinandersetzung mit Themen wie Bewusstsein, Ordnung und Chaos und bedient sich dabei häufig einer sorgfältigen Kombination aus alten Techniken und modernster Technologie. Auf diese Weise fordert er die Betrachtenden dazu auf, über das komplexe Zusammenspiel zwischen der materiellen Welt und den inneren Prozessen des menschlichen Geistes nachzudenken.
Claassens Skulpturen wurden in renommierten Galerien und auf internationalen Kunstmessen gezeigt, darunter Design Miami, Design Days Dubai und AIYA Collectible. Seine Einzelausstellungen – darunter Forms of Silence (AIYA Bureau, 2022), Order and Chaos (EBONY/CURATED, 2021) und Complex Systems (THK Gallery, 2023) – haben ihn als eine prägnante Stimme unter den aufstrebenden zeitgenössischen Künstlern etabliert. Seine innovative Auseinandersetzung mit dem Thema Bewusstsein brachte ihm zudem Residencies am Villa-Legodi Centre for Sculpture sowie im Quartier am Hafen in Köln ein.
Im Jahr 2025 absolvierte Claassen ein mit der Tyburn Foundation verbundenes Fellowship an der Civitella Ranieri, bei dem er seine Beschäftigung mit der Malerei im Rahmen einer intensiven Atelierarbeit weiter vertiefte.

