Wendelin Bottländer & Bianca Voss – Höhere Gewalt

Höhere Gewalt kann im doppelten und dreifachen Wortsinn vieles bedeuten. Bereits der Titel spiegelte die subtil-subversive Mehrdeutigkeit wieder, die für die Arbeiten von Bianca Voss und Wendelin Bottländer kennzeichnend ist.

Höhere Gewalt ist per Definition das hereinbrechende, unvorhersehbare Schadensereignis, die unabwendbare Katastrophe, vielleicht aber auch der unvorhersehbare, unabwendbare Glücksfall.

Höhere Gewalt kann aber auch als die Gewalt im Dienst des Höheren verstanden werden. Das Schadensereignis, das zum Beispiel das Schöne gebiert oder freilegt. Oder als das Gewaltige, Höhere, also Göttliche überhaupt? Eine Gewaltenteilung war im Falle dieser Ausstellung schwer möglich.

In den Arbeiten von Bianca Voss waren es Squash-Ball-Abdrücke auf einer Wand eines aufgegebenen Sportstudios, die sie mit dem Mittel der Fotografie, fein beobachtend, in lakonisch malerischen Raumansichten inszenierte. Ein unvorhersehbarer Glücksfall also, daß über Jahre viele Spieler im Dienste des Höheren, Schönen, unwissend Vorarbeit leisteten und gewaltig zuschlugen.

Bei Wendelin Bottländer entpuppte sich das gestörte digitale Fernseh-Signal während der Ausstrahlung der Fussball – Bundesliga als unvorhersehbarer Glücksfall. Die standardisierte Stadion-Architektur und Spielerformationen wurden zu in ihrer Absurdität überwirklichen Bildern gesteigert. Ob die höhere Gewalt aus der jährlich gesteigerten TV-Präsentations-Standardisierung oder aus dem in seinen Bildern entstandenem Chaos entsprang, war ein ungewöhnlicher Wettstreit.

In einer Performance am Abend der Eröffnung imitierte Bianca Voss vor Publikum einen Schaden am Objekt, der unmittelbar wieder revidiert wurde. Aber: lässt sich höhere Gewalt tatsächlich ungeschehen machen?

Fotos: Alessandro De Matteis