Nora Hansen & Lorenzo Pompa – Multiversum

MULTIVERSUM

Die Gesamtheit der Parallelwelten. Erst durch den Kontakt dieser Welten wurde das Spezielle sichtbar und die Gesetzmäßigkeiten klar unterscheidbar: Was man sah wirkte einmal glatt, unnahbar und schnelllebig, das andere Mal roh, zeitlos und elementar. Die beiden Welten standen sich gegenüber. Jede in sich geschlossen und doch reagierten sie aufeinander. Sie zogen sich an und stießen sich ab. Diese Magneteffekte beruhten nicht auf einer gemeinsamen Schnittmenge, sondern auf den jeweils gegebenen hermetischen Eigenheiten.

Nora Hansens (*1986) Arbeiten sind von kühler Eleganz. Ihren Ausgang nehmen sie in der Pop- und Werbekultur: Comichafte Versatzstücke, Slogans, Zitate von Pop-Größen und die Verwendung digitaler Bildbearbeitung bringen Zeichnungen, Bilder und Plakate hervor, die den medialen Zeitgeist kühl spiegeln und subtil unterlaufen. Bei genauer Betrachtung offenbart sich beispielsweise, dass die Schrift in einem der Bilder zuerst ein analog angefertigter Schriftzug war, nämlich aus Styropor geschnitzt, der anschließend digitale Prozesse durchlaufen hat. Geht es hier also um re-digitalisierte analoge Re-Konstruktionen einer künstlichen Welt?

Lorenzo Pompa (*1962) schafft mit seinen Skulpturen, Malereien und Grafiken Konstellationen, die er selbst als Szenarien bezeichnet. In seiner Arbeit vereint er nicht nur verschiedene Gattungen, sondern auch verschiedene Abstraktionsebenen, von ungegenständlich bis figurativ. Die Dinge kommen zusammen und verzahnen sich in Pompas Szenarien auf so eigenartige und überraschende Weise, dass vermeintlich Gegensätzliches zu einer seltsam suggestiven Einheit findet. „Mapping the universe“ nennt er eine seiner Bildgattungen. Diese Bezeichnung beschreibt letztlich sehr treffend alle seine Untersuchungen, seien sie noch so unterschiedlich.

Hansen und Pompa vereinte vor allem der Wille eine ganze Welt zu schaffen. Im Multiversum unterschieden sich jedoch die Dimensionen in denen sich diese Welten entfalteten. Sie standen in sich ruhend und selbstverständlich nebeneinander und hoben die singulären Eigenheiten der jeweils anderen Welt hervor.

Fotos: Alessandro De Matteis