Künstler/innen im Quartier: LISSY WINTERHOFF

Es war ein lauer Sommernachmittag als ich mit der Kamera zu Besuch bei Lissy Winterhoff war. Pünktlich zum heutigen Sonnenschein geht die Vorstellungsrunde nun mit der 1953 geborenen Künstlerin und Theaterwissenschaftlerin weiter:

In ihrem künstlerischen Werk arbeitet Lissy Winterhoff schwerpunktmäßig mit Techniken der Fotografie, der Fotoradierung und der Fotoplastik.

Theaterwissenschaftlich arbeitete sie über Salome als Femme fatale auf der Bühne der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert.

Sie studierte von 1974 bis 1984 an der Fachhochschule für Kunst und Design Köln Fotografie bei Arno Jansen und Freie Graphik bei Pravoslav Sovák. Sie wurde zur Meisterschülerin bei Pravoslav Sovák ernannt, das Abschlussexamen war 1981, die Meisterschülerprüfung 1984. Sie erhielt von 1981 bis 1983 einen Lehrauftrag für Video- und Bewegungsimprovisation an der Fachhochschule für Kunst und Design Köln.

Von 1981 bis 1989 studierte sie an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie mit Abschluss Magister bei Renate Möhrmann.

Für ihre Arbeiten verwendet sie unübliche Bildträger, wie lichtempfindlich gemachte handgeschöpfte Bütten- oder Aquarellpapiere, die sie mit den Techniken der klassischen Fotografie im Fotolabor bearbeitet.

Lissy Winterhoff schuf ein umfangreiches Werk fotoplastischer Arbeiten. Es handelt sich überwiegend um Schwarzweißfotografien, die in Verbindung mit verschiedenen künstlerischen Techniken als Fotografien in der Dunkelkammer realisiert wurden:

– Farbe entsteht in ihren Arbeiten durch Kolorierungen oder durch die verwendeten Trägermaterialien.

– Bei den frühen Arbeiten ab Mitte der 70er Jahre handelt es sich um Schwarzweißfotografien, die mit dezenten transparenten Ölfarben handkoloriert wurden.

– Ihre Arbeiten der 80er Jahre knüpfen eine Verbindung zwischen den Kunstkategorien der Bewegungsimprovisation, der Videoarbeit, der Fotografie und der Radierung. Sie wurden meist als Fotoradierungen realisiert.

– Sie wandte sich seit den frühen 90er Jahren zunehmend fotografischen Arbeiten auf ungewöhnlichen Bildträgern zu. So entstanden Werke auf Büttenpapieren, Aquarellpapieren, Sand auf Holz und Leinwand. Die Arbeiten wurden teilweise als Siebdrucke realisiert. Häufig arbeitete Winterhoff literarische Texte in die Arbeiten ein.

– Die Aufnahme von lokalem Naturmaterial als Element der bildnerischen fotografischen Arbeiten realisierte sie in den Anfang der 2000er Jahre entstandenen Serien zu ägyptischen Wüstenlandschaften. Es handelt sich um Fotografien auf dem Originalsand dieser Landschaften auf Holzträgern.

Immer wieder arbeitete sie auch zu politischen Themen wie Kinderarbeit, Gleichberechtigung der Frau, Verfolgung und Shoah. In diesen Arbeiten verband sie historische Fotografien sowie journalistische Texte mit ihren fotografischen Medien und realisierte die daraus entstandenen Arbeiten als Siebdrucke.

Seit 2013 fand sie zum Ausdrucksmittel des Fotogramms. In der Serie „Gabriele Münter – Die Häuser meiner Freunde“ realisierte sie in Anlehnung an die Holz- und Linolschnitte Gabriele Münters ein neues Konzept bildnerischer Gestaltung mit Naturmaterialien auf lichtempfindlichem Büttenpapier in der Technik des Fotogramms. In dem umfangreichen Fotogrammzyklus „Die vier Jahreszeiten“ stellt sie die Unerschöpflichkeit und Lebenskraft der Natur in den Mittelpunkt der Darstellung.

Lissy Winterhoff selbst schreibt zu ihren Arbeiten:

„Der technisierten und vielfach zerstörten Umwelt, der durch den Kapitalismus global ausgebreiteten Gier stelle ich bewusst eine fühlbare Fotokunst entgegen – mit dem Wunsch, die Werte und Tugenden des Lebens, der gelebten Menschlichkeit, wie Achtsamkeit und Anwesendsein, Mitgefühl und Mitleid, Ausgeglichenheit und Gleichmut, Ehrlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit, Respekt und Achtung vor der Natur und vor dem Menschen beim Betrachter zu bewahren, in Erinnerung zu rufen, Menschen zu berühren. In diesem Sinne ist meine Kunst auch als politisch zu betrachten.“

Text gekürzt aus Wikipedia

Fotos: www.jennifer-braun.de