erinnern

 

PHILIPP HAMANN
ALEXANDER KLUGE
PIER PAOLO PASOLINI
ROLAND REGNER
HANNAH SCHNEIDER
DOROTHEE VON WINDHEIM

31.08.-30.09.2018

Vernissage: Freitag 31.08.2018 um 19.30 Uhr
“Who but we remember these?”
Einführung: Miriam Schmedeke und Michael Stockhausen (Kurator der Ausstellung)

Finissage: Sonntag 30.09.2018 um 15 Uhr
“erinnern” – ein Künstlergespräch; von, über oder auch mit den teilnehmenden Künstlern

Öffnungszeiten: SO 14-17 Uhr
zu den Offenen Ateliers 29./30.09. jeweils 14-18 Uhr und nach Vereinbarung unter 0176/61317032

Programm zur Ausstellung:
VORTRAG
28.09.18 um 19.30 Uhr / Patrick Nehls (Medienwissenschaftler, Uni Bonn) gibt Einblicke in die digitale Trauer- sowie Begräbniskulturen und hilft bei der Vorbereitung Ihres virtuellen Auftritts.

WILD-SCREENING
28.09.18 um 21.30 Uhr / Klug, Klüger, Kluge: Open Air ino an einem ungewöhnlichen Ort mit Alexander Kluge
“Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit”, 1985. Bitte ecken und Picknik mitbringen, nur bei trockenem Wetter.

Die Kunst, aus Erde und Ton Ähnlichkeiten zu formen, erfand zu Corinth der Töpfer Dibutades aus Sicyon mit Hilfe seiner Tochter, letztere war nämlich in einen jungen Mann verliebt und malte, als derselbe in die Fremde ging, den Schattenriss seines Gesichts bei Licht mit Linien an die Wand, der Vater belegte den Umriss mit Ton, erhielt dadurch einen Abdruck, brannte denselben mit seinen übrigen irdenen Geschirren im Ofen und stellte ihn auf.
(Plinius der Ältere, Historia naturalis, ca. 77 n. Chr.)

Erinnerungen festhalten und bewahren wollen, aus dem Dunkel ziehen und sichtbar machen begleiten die Menschheits-, Medien- sowie Kunstgeschichte. Dabei ist Erinnern – über das Innere hinaus – medial gebunden: z.B. in Sprache, Schrift, Malerei, Skulptur, Architektur, Antiquitäten, Musik und den vermeintlich „dokumentarischen“ Medien Fotografie und Film. Medien-Zweifel bezüglich Echtheit, Wahrheit oder Wirklichkeit gehören damit zur DNA des Erinnerns. Doch scheinen gewachsene Speicherkapazitäten, das Schaffen von in Echtzeit „share“-baren Erinnerungs-Produkten, Dichte sowie Reichweite der Daten das Erinnern zu verändern. Erinnern ist vornehmlich keine retrospektive Praxis mehr, in Fotoalben oder schattigen Archiven. Geschichte wird gemacht – jetzt! Und dank des leichtgewichtigen Tausendsassas Handy ist Geschichtswürdigkeit nicht mehr das Privileg von Päpsten, Fürsten oder Massenbewegungen, sondern der alltägliche Imperativ im Aufmerksamkeitswettstreit eines jeden. Es scheint, als vollzöge sich ein Wandel in der Erinnerungspraxis, Erinnerungskultur sowie den sie begleitenden Erzählweisen.

In der aktuellen Ausstellung im Q18 befragen sechs Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Generationen „erinnern“ als ein echoreiches Geflecht aus dem, was gewesen ist, dem erfahrbaren Jetzt und den Erwartungen ins Künftige. In unterschiedlichen Medien, von Schrift, Zeichnung, Malerei bis Fotografie oder Film, beschäftigen sie sich mit verschiedenen Facetten des Erinnerns – als Bewahrende und Forschende, als Zweifelnde oder gar Zerstörende.

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Fotos: Roland Regner