Elisabeth Oertel – Handle with care … Handle don’t care

Im Spagat zwischen Abenteuer und Geborgenheit, zwischen dem Alltäglichen und dem Extremen, den Dingen und dem Loslassen beförderte Elisabeth Oertel die Tiefe und die Irrsinnigkeit der Objekte und des Lebens an eine Oberfläche.

Die, gleich einem Action-painting, aus Glasfäden gezeichnete Skulptur „594 km“ ist ein lebendiges Gebilde. Es thematisiert den Zerfall, die Unarchivierbarkeit und den Moment gleichermaßen. Mit jedem zusätzlichen Kilometer, den die Skulptur bei einem Transport zurücklegt, ändert sich Ihr Titel um die zu addierenden Kilometer des Transportweges. Mit jedem Mal, dass sie aus Ihrem Schlaf in einem Lagerraum geweckt und zum Sehen hergerichtet wird, ändert sich Ihr Erscheinungsbild. Strecke für Strecke, Aufbau für Aufbau, baut sie sich weiter ab. Elisabeth Oertel bringt das Material Glas an die Grenze seiner Belastbarkeit, um den alltäglichen Moment, in dem ein Objekt, ein Ding, ‘konsumiert’ wird, auf zu Dehnen und erfahrbar zu machen.

Diese Überwindung der Materialität, spiegelt sich auch in dem gefährlichen Spiel mit den Skulpturen der Serie ‘Vermuteter Biomorphismus und andere Zufälligkeiten in meinem Zimmer’ wieder: auf traditionelle Weise eingefärbte und mundgeblasene Scheiben aus Antikglas stehen abenteuerlustig auf hohen Stelzen und tragen amorphe Glasobjekte, als ob sie ein Wagnisbündnis mit der Schwerkraft eingingen. Ein Moment der Unachtsamkeit würde genügen, um den Sockel mitsamt der auf ihm platzierten Glasobjekte zum fallen zu bringen. Lisa Bensel